Streit - was ist das?Kollegen vergraulen einander, Beziehungen scheitern, Geschäftspartner ziehen vor Gericht, weil sie sich nicht mehr verstehen, weil sie nicht mehr miteinander reden können, weil sich zu viele Tabuthemen angesammelt haben, weil sie sich nicht mehr mögen, weil es nicht mehr schön ist, weil sie hoffen, daß die nächste Beziehung das große Glück bringen wird, weil sie müde geworden sind - und viele mögliche "weils" mehr! Wir können darüber klagen, oder wir können versuchen zu ergründen, welche Möglichkeiten es gibt, Menschen auf allen Ebenen beziehungsfähiger werden zu lassen.
Kommunikations- und Konfliktfähigkeit als Basis unserer Beziehungen ist nur in den seltensten Fällen ein angeborenes Talent. Die meisten Menschen müssen sich Kompetenz auf diesem Gebiet erst aneignen. Ziel der "Streitschule" ist es, diese Qualitäten zu entwickeln und zu stärken.
Streiten findet im allgemeinen nicht als innerer Monolog statt. In der "Streitschule" treffen ganz unterschiedliche Menschen zusammen, um miteinander und aneinander zu lernen, sich im Konfliktfall zu behaupten, ohne den anderen unnötig zu verletzen.
Ungelöste Konflikte sind gewaltige Energiefresser und vertilgen ungeniert unsere Lebensfreude. Aus unserer ganz persönlichen Sicht müsste es sowieso keinen Streit geben - die anderen brauchen nur zu tun, was wir wollen!
Dass unser Konfliktgegner dieselbe Situation so ganz anders erfährt, wertet und einordnet, wollen wir nicht wahrhaben. Wir wollen nicht einsehen, dass er in seiner Welt genau so Recht hat wie wir in unserer!
Solange beide Seiten darauf beharren, "Recht" zu haben, besteht der Konflikt. Je nach Temperament können wir uns mit Vehemenz in den Kampf begeben, verschämt alles unter den Teppich kehren, uns unauffällig verdrücken oder uns dem Konflikt tatsächlich stellen.
Wir brauchen die Möglichkeit, neues Verhalten zu wagen, zu reflektieren, die Wirkung zu erfahren und auf`s Neue zu erproben. Schließlich geht es nicht darum, nur Methoden oder abrufbare Techniken zu trainieren, sondern zu einer Veränderung der inneren Haltung zu finden und Kommunikationsfähigkeiten zu erwerben. Wenn es uns gelingt, unseren Konfliktgegner nicht als "Feind" zu sehen, sondern als Fremden, dessen Welt gleiche Berechtigung und Wichtigkeit hat wie die unsere, wächst die Chance für faire Lösungen.
Eine wichtige Grundlage dieser inneren Haltung von Offenheit und Akzeptanz ist Selbstklärung. Wer nicht weiß oder nicht sagen kann, was er will, braucht oder erwartet, empfindet schnell Ohnmacht und Kontrollverlust - das macht ihn unnötig aggressiv, und sei es auf einer noch so versteckten Ebene. Wer weiß, was er will, braucht und erwartet, und das auch sagen kann, ist weniger unter Druck, offener und handlungsfähiger.
Selbstklärung tut also Not: Das Erforschen und Ordnen der eigenen Gefühle, Überzeugungen, Prägungen und Werte, soweit diese für die Bearbeitung eines Konfliktes relevant sind, ist die Grundlage der Konfliktkompetenz. |